Fika Talk: Faire Mode und der Widerstand im Postfordismus

Was hat faire Mode mit Widerstand im Postfordismus zu tun?

Bahnhof // Ja, als ich eine Einladung zum Event „Forschen am Widerstand im Postfordismus“ bekam, war ich mir sicher, dass die sich da vertan hatten. Ich war zwar schon immer eigenwillig, aber meine Intellektualität reicht nicht bis zum Wort „Postfordismus“. Dazu kann ich denen bestimmt nix erzählen, erst recht nicht als Gast in einer Diskussion.

Nach kurzer Recherche – Danke Google, Quelle halb meines Wissens – wurde allerdings klar, dass mein Blog und vor allem die Intention des Blogs doch so einiges damit zu tun haben. Ich drück mich halt nur nicht so fremdwörterisch aus. Ich verwende lieber Neologismen, die Sinn machen.

Damit auch du Bescheid weißt: Der Postfordismus beschreibt also eine aktuelle Entwicklungsphase der Wirtschaft. Hilft auch nicht, oder?

Ihr kennt bestimmt den Autohersteller Ford? Ja, genau daher kommt das.

Der liebe Herr Ford hat mit seinem Wirtschaftsmodel damals eine neue, effizientere Wirtschaftsform entwickelt. Eine sogenannte lineare Wirtschaft. Jeder macht eine Sache, dafür sehr gut und sehr effizient und somit auch billig. Effizient = Billig. Mehr Vorteile für die Produzenten. Mehr Nachteile für Menschen.

Adaptiert man das auf die Modebranche macht es auch Sinn, dass jede Näher_in, monatelang nur ein und dieselbe Naht näht. Auch wenn sie nur 10 cm lang ist. Dafür macht er diese EINE Naht perfekt, wird schneller und somit effektiver und günstiger. Wenn der Auftrag von 10.000 Jeans dann durch ist, darf er eine andere Naht perfekt nähen. Klingt ziemlich langweilig, oder?

Dieses Wirtschaftsmodel hat sich mit der Zeit auf fast alle Lebensbereiche ausgeweitet, ohne dass wir es aktiv merken. Wenn ich mal Zeit habe um durch facebook zu scrollen, sehe ich fast nur Artikel zur Selbstverbesserung. „So wirst du effektiver, schlanker, schneller, schlauer…“

Nirgends ließt man, es sei okay langsam zu sein oder nicht mehr zu wollen?

In den letzten Jahren, oder auch Jahrzehnten, entwickelt sich immer mehr Widerstand zum Effizienz-Leben, in allen möglichen Ausprägungen. Der Postfordismus. Es gibt Aktivisten, die einfach nichts tun. Also wirklich NICHTS und sind Aktivisten gegen das Wirtschaftssystem. Ich will hier niemanden dazu ermutigen das zu versuchen – spoiler: hat bisher nichts bewirkt.

Mein Widerstand, unser Widerstand, und auch der Grund meines Besuchs bei der Veranstaltung beruft sich auf mein Engagement in der Fashion Revolution. Wir hinterfragen Arbeitsbedingungen, wir promoten Upcycling, wir wollen eine Änderung des Systems. Flexible Arbeitszeiten, faire Bedingungen. Für jeden.

Die Ironie des Schreibens diese Artikels ist, dass ich genau weiß, dass ich hiermit ein braves Kind des Fordismus bin. Ewige Selbstverbesserung. Viel tun. Gut machen. Brav. Mein Widerstand belässt sich heute auf den langen Zeitabschnitt zwischen Event und Artikel. Da hab ichs mal langsam angehen lassen.

Was meint ihr denn dazu? Ist es nicht sau anstrengend in unserer Gesellschaft? Muss man sich immer permanent selbst verbessern? Wann ist man oder frau genug?
Bist du vielleicht auch in einer – in deiner eigenen Weise – Widerständler_in des Systems?

1 Kommentare

  1. Hi! Ziemlich cooler Beitrag! Gefällt mir äußerst gut ;)….Danke für den Post und die Inspiration! Ich wünsche dir eine schöne kurze WOche und viele Grüße aus’m naturhotel südtirol ;)…die Pia <3

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