Fair Fika: Fair Fashion Works Konferenz

Does Fair Fashion really Work? // Unternehmensverantwortung im Modestudium

Es ist eine Sache das Thema „Nachhaltigkeit“ und „Fair Fashion“ im privaten umzusetzen. Für viele von uns ist es aber auch ein Thema was uns in der Ausbildung und Berufswahl begleitet. Immerhin bleibt die Modeindustrie eine Multimillionen Dollar Branche, die viele Arbeitsplätze in unzähligen Bereichen bietet.

Komplexität erschwert Transparenz

Angefangen vom Anbau der Rohstoffe bis hin zu Verkäufern im Einzelhandel. Die Komplexität der Arbeitsabläufe, Händler und Zwischenhändler erschwert die Transparenz. Das macht es nur umso wichtiger darüber umfassend in einem Modebezogenem Studium aufzuklären. Doch wird man in der Ausbildung, egal ob es nun als Modedesigner, im Modemanagement oder Marketing ausreichend darüber und über CSR (Corporate Social Responsibility) und Themen der „Nachhaltigkeit in der Modebranche“ informiert?

Die alle zwei Jahre stattfindende Konferenz „Fair Fashion Works“, initiiert von der Organisation FEMNET.ev, ist für deutschlandweit alle Studierende und Lehrende modebezogener Studiengänge geöffnet. Leider brachte die Konferenz erneut ernüchternde Ergebnisse.

Neben der Tatsache, dass trotz viel Propaganda erschreckend wenige Studierende, wie auch Lehrende aus der Modebranche erschienen, konnte keiner der Vertreter der deutschen Modeschulen besonderes Interesse ihrer Schule in Themen der Nachhaltigkeit, geschweige denn die Beschäftigung mit CSR (Corporate Social Responsibility) berichten.

Was lernt man den an den Hochschulen modebezogener Studiengänge? Etwa etwas über Nachhaltigkeit in der Modebranche oder Corporate Social Responsibility? Leider Fehlanzeige auf der gesamten Bandbreite.

Dabei sollte sich doch jeder einzelne, der in der Modebranche arbeitet, einmal intensiv mit diesen Themen auseinander gesetzt haben, oder?

Da „Nachhaltigkeit in der Modebranche“ oder CSR nicht vom Staat in den Kurrikula der Hochschulen vorgeschrieben ist, hängt es immer an einzelnen Dozenten, ob ihnen das Thema wichtig genug ist um es zu behandeln. Zum Glück gibt Femnet.ev eine Möglichkeit der außerschulischen Organisation um darüber zu informieren. Man findet Möglichkeiten auch als Einzelperson.

Die zweitägige Konferenz bringt viele Möglichkeiten für Studierende sich zu vernetzen und zu informieren. Neben anfänglichen Kennenlern-Workshops und Briefing über CSR und Themen der Nachhaltigkeit, wie Audits, Cradle to Cradle, Minimal Waste Cutting, Circular Design uvm. fanden spannende Podiumsdiskussionen mit Gästen der Modebranche und Politkern, sowie Workshops in kleineren Gruppen mit internationalen Gästen statt.

Es waren zwei Tage voller Workshops, Lernen, Networking und sich Gedanken machen. Nachdenken, über Themen der Nachhaltigkeit, über faire Arbeitsbedingungen in Unternehmen weltweit und über die eigenen Rolle in dieser globalen Entwicklung.

Fair Fashion Works

Nach dem ersten Tag mit Informationsüberfluss und dem auf der Bühne politisch heiß diskutierten Thema „Textilbündnis“ überkommt einem die Erschöpfung und man versucht das gehörte zu verarbeten. Gemeinsam mit Studierenden anderer Hochschulen und auch allein.

Tag Zwei. Etwas Praxisnäher. Gäste aus der Branche sind zu Besuch. In der ersten Podiumsdiskussion über CSR in Unternehmen: Dr. Gisela Burckhardt (FEMNET), Dr. Reiner Hengstmann, der gerade aus Asien zurück gezogen ist (Hugo Boss) und die Powerfrau Julia Kirschner (Armedangels). Sie will das Unternehmen Armedangels zum größten nachhaltigen Unternehmen machen. Hm.

Ein großes Thema, welches sich durch die ganze Konferenz zieht ist „Living Wage“. Eine schwierig festzumachende Bezeichnung für etwas, das ständig im Wandel ist und regional starken Schwankungen unterliegt. Mit einem Living Wage soll einr Person ein Einkommen gesichert werden, mit dem sie/er die Familie ernähren kann und für Vorkomnisse (wie z.B. Reperaturen, Arzttermine) etwas beiseite legen kann. Das Mindesteinkommen also, um damit zu überleben.

Hengstmann (Hugo Boss) steht stark in der Kritik. Im Jahr 2013 kam heraus, dass eine Unternehmenseigene Produktionsfirma in Polen weibliche Angestellte unterschrieben lies, dass sie nicht schwanger werden dürften und sondern ihren Job verlieren würden. Ein Living Wage haben sie bis dato auch nicht gezahlt.

Am Nachmittag dann Workshops mit Vertretern kleinerer oder größerer Initiativen. Mit dabei war Deborah Schmidinger (International Labour Organisation), Rieke Jürgensen und Markus Rhein (TIE Germany), Dr. Mark Starmanns (BSD Consulting / Get Changed), Lary Brown, Vice President and Head of Global Social and Environmental Sustainability / ESPRIT (ACT) und Gisela Bruckhardt (Sumangali – Kinder- und Zwangsarbeit in südindischen Spinnereien).

Leider gibt es nicht die Möglichkeit bei jedem beizusitzen, doch zum Glück gibt es den Austausch mit anderen Studierenden. Es brauchte Zeit das gehörte, diskutierte und gelernte zu verarbeiten. Ich fühlte mich gelähmt von den Ausgängen der so positiv begonnen Initiativen. Machtlos. Sobald annähernd ein Living-Wage erreicht ist, reagieren lokale Märkte so, dass es alles nur verschlimmert. Die eigentlich sinnvollen Audits? Gepfuscht und verfälscht. Von allen Seiten die auch nur irgendwie daraus Profit schlagen können. Was nutzt die Mühe denn überhaupt? Apropos Living-Wage: Der Mindestlohn in Deutschland entspricht nicht dessen Richtlinien. Warum also im Ausland anfangen, wenn wir es noch nicht einmal selbst schaffen? So viele Fragen im Kopf.

Immer wieder kommt dieses überwältigende Gefühl der Sinnlosigkeit auf. Seit nunmehr zwei Tagen erfahren wir von eigentlich positiven Projekten, AG’s und innovatievn neuen Ansätzen wie man die Arbeitsbedingungen in den asiatischen und afrikanischen Textil-Fabriken verbessern könne. Doch letztendlich bleibt die Frage: Muss die Entwicklung aus den Ländern selbst kommen? Was bilden wir uns als „westliche“ Welt ein in ihren Systemen zuzudiktieren.

Eines bleibt deutlich: es liegt noch ein langer Weg vor uns! Egal wie machtlos wir uns vorkommen, wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass jeder Einzelne von uns Einfluss hat mit unserem Handeln!

Deswegen möchte ich an jeden Einzelnen von euch Appelieren: Geht an eure Hochschule, sucht euch Gleichgesinnte und organisiert etwas. Dazu könnt ihr jederzeit Femnet für Anregungen und Möglichkeiten kontaktieren. Ich habe mir ein nachhaltig handelndes Unternehmen in der Region gesucht und gemeinsam mit ihnen einen Vortrag an meiner Hochschule gehalten um über mögliche nachhaltige Arbeitsweisen auszuklären. Wenn das jeder von uns macht nehmen wir auch die Aufklärungsarbeit selbst in die Hand, bis es die Politik merkt und es im Korrikulum verankert wird. Das sollte unser Ziel sein.

Ich hoffe, wir sehen uns beim nächsten Mal im Jahr 2018!

Fair Fashion Works // Am Ende möchte ich noch ein großes Kompliment an FEMNET los werden und einmal Danke sagen. FEMNET leistet tolle Arbeit zur Aufklärung, Bildung und zeigt viel Engagement im Einsatz für die Rechte der Frauen. Für alle da draußen, die mehr zum Thema wissen möchten, kann ich nur das Buch der Vorstandsvorsitzenden Gisela Burkhard „Todschick“ empfehlen.

1 Kommentare

  1. Liebe Ann Cathrin,

    ich finde solche Berichte über Events, an denen man aus irgendwelchen Gründen nicht teilgenommen hat oder von denen man nicht einmal gehört hat (bei mir bei diesem beides der Fall) immer sehr spannend und danke dir für die auch kritischen und nachdenklichen Einblicke in die Konferenz.

    Das Gefühl der Machtlosigkeit überkommt mich auch von Zeit zu Zeit – manchmal in solchen Kontexten wie der von dir beschriebenen Konferenz und des Austausches mit den „Großen“ über Schalten und Walten der internationalen Firmen, manchmal aber auch, wenn ich im stillen Kämmerlein zu lange alleine über solche Dinge nachdenke.
    Ich glaube, letzten Endes hilft nur, die Büger*innen zu mündigen Menschen zu machen – indem man ihnen immer wieder und wieder und wieder zeigt, was hier eigentlich falsch läuft. Denn das will doch so richtig niemand unterstützen. Wissen ist Macht – diese Floskel, die eine so wahre ist, gilt auch hier.

    Liebe Grüße
    Jenni

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